Mechanik erklärt

Hold and Win: warum gerade so viele davon erscheinen

Von Annika Sturm · Redakteurin Neuheiten

Kaum eine Woche ohne einen neuen Titel mit Münzsymbolen und Respin-Zähler. Wir zerlegen das Format in seine Bauteile und erklären, warum Studios so gern darauf zurückgreifen.

Hold and Win: warum gerade so viele davon erscheinen

Wer unsere Neuheitenliste eine Weile verfolgt, bemerkt ein Muster: Münzsymbole, ein Zähler, der bei drei steht, ein Raster, das sich langsam füllt. Das Format heißt je nach Studio Hold and Win, Link and Win oder Respin, und dahinter steckt fast immer dieselbe Konstruktion. Es ist derzeit die meistgebaute Bonusrunde überhaupt, und das hat weniger mit Fantasielosigkeit zu tun als mit einer Reihe sehr praktischer Eigenschaften. Wir schauen uns an, woraus das Format besteht und warum es sich so gut vermehrt.

Die Bauteile

Im Grundspiel gibt es ein besonderes Symbol, meist eine Münze oder eine Kugel, das einen aufgedruckten Wert trägt. Landen genügend davon gleichzeitig, üblicherweise sechs, beginnt die Bonusrunde. Das Raster leert sich, nur die Münzen bleiben an ihrer Position stehen, und ein Zähler springt auf drei. Von da an wird nur noch auf die freien Felder gedreht. Jede Runde ohne neue Münze zieht den Zähler um eins herunter, jede Runde mit Münze setzt ihn zurück auf drei.

Die Werte auf den Münzen sind fest. Was aufgedruckt ist, wird am Ende addiert, unabhängig davon, wann das Symbol gelandet ist. Dazu kommen in fast allen Fassungen mehrere feste Preisstufen, üblicherweise mit Namen wie Mini, Minor, Major und Grand, die entweder als eigenes Münzsymbol auftauchen oder durch das Füllen des kompletten Rasters ausgelöst werden. Die untersten Stufen sieht man häufig, die oberste ist an eine Bedingung geknüpft, die selten eintritt.

Endet der Zähler bei null oder ist das Raster voll, wird ausgezahlt und die Runde ist vorbei. Das war das ganze Regelwerk. Es passt in vier Sätze, braucht keine Vorkenntnisse und ist auf einem Telefonbildschirm ohne Zoomen zu erfassen. Genau diese Kürze ist der Kern seines Erfolgs, und alles, was Studios seither hinzugefügt haben, baut auf diesem Gerüst auf, statt es zu ersetzen.

Warum Studios das Format so gern bauen

Der erste Grund ist Verständlichkeit. Eine Bonusrunde, die sich nicht erklären muss, verliert niemanden. Man sieht Münzen kleben, man sieht einen Zähler, man versteht ohne einen Blick in die Regeln, dass es gut ist, wenn eine weitere Münze landet. Vergleichen Sie das mit Bonusrunden, in denen Multiplikatoren auf Symbolgruppen wirken, die sich über mehrere Stufen fortschreiben: Da steigen viele aus, bevor sie begriffen haben, was passiert ist.

Der zweite Grund ist die Sichtbarkeit des Fortschritts. Das Raster füllt sich, und man sieht mit jedem Feld, wie weit es ist. Freispiele mit einem Zähler, der herunterläuft, erzeugen das Gegenteil: Da schwindet etwas. Hier wächst etwas, und der Zustand ist jederzeit auf einen Blick abzulesen. Dazu kommt die kleine Spannungskurve bei jedem Zählerstand: bei drei ist alles entspannt, bei eins hängt die Runde an einem einzigen Dreh.

Der dritte Grund ist unspektakulär, aber vermutlich der wichtigste: Das Gerüst lässt sich auf jedes Thema setzen und mit überschaubarem Aufwand variieren. Ein Studio, das die Mechanik einmal sauber gebaut und zertifiziert hat, kann sie mit neuer Grafik, anderen Symbolwerten und einem zusätzlichen Kniff mehrfach im Jahr veröffentlichen. Das ist wirtschaftlich vernünftig und erklärt, warum das Format in Neuheitenlisten so dominant ist.

Wie sich die Fassungen unterscheiden

Die häufigste Erweiterung ist das wachsende Raster. Erreicht man eine bestimmte Anzahl Münzen, kommt eine Reihe oder Spalte hinzu, und das Feld wird größer. Das verlängert die Runde, weil mehr Platz zu füllen ist, und verschiebt gleichzeitig, was ein volles Raster bedeutet. Manche Fassungen erlauben das mehrfach und öffnen so schrittweise ein deutlich größeres Feld, als man am Anfang gesehen hat.

Die zweite verbreitete Zutat sind Sammler- und Verteilersymbole. Ein Sammler zieht die Werte aller sichtbaren Münzen zu sich, ein Verteiler gibt seinen Wert an alle anderen ab, ein Multiplikatorsymbol wirkt auf das, was am Ende zusammenkommt. Diese Zusätze sind der Grund, warum zwei Spiele mit identischem Grundgerüst sich völlig verschieden anfühlen können: Sie verändern, ob der Ausgang schon früh feststeht oder sich bis zum letzten Dreh entscheidet.

Die dritte Variante betrifft die Preisstufen. In einfachen Fassungen sind sie feste Vielfache des Einsatzes. In verknüpften Fassungen speisen sich die oberen Stufen aus einem gemeinsamen Topf, der über mehrere Spiele oder mehrere Betreiber hinweg mitwächst. Technisch ist das ein anderer Bau, optisch sieht es fast gleich aus, und im Info-Panel steht dann meist ein Hinweis, dass die Stufe progressiv ist. Wer das unterscheidet, weiß, warum manche Fassungen eine sehr hohe Obergrenze angeben.

Was das für die Verteilung der Treffer bedeutet

Ohne konkrete Zahlen lässt sich eine Tendenz beschreiben, die für das Format typisch ist. Ein erheblicher Teil dessen, was ein solches Spiel überhaupt ausschüttet, hängt an der Bonusrunde. Das Grundspiel dient in vielen Fassungen vor allem dazu, die Zeit bis dahin zu überbrücken, und ist entsprechend zurückhaltend abgestimmt. Wer nur ein paar Runden dreht, sieht deshalb oft wenig und hält das Spiel für karg, obwohl es schlicht anders aufgeteilt ist als ein Titel ohne diese Struktur.

Innerhalb der Bonusrunde selbst gibt es eine zweite Verteilung. Die meisten Runden enden nach wenigen Respins mit einer bescheidenen Summe der aufgedruckten Werte. Die langen Runden, in denen sich das Raster wirklich füllt, sind der seltene Fall, und die obersten Preisstufen sind noch einmal deutlich seltener. Das Format erzeugt also viele kleine Ereignisse, die sich wie ein Erfolg anfühlen, weil eine Bonusrunde ausgelöst wurde, und wenige, die zahlenmäßig ins Gewicht fallen.

Diese Struktur hat eine Nebenwirkung, die man kennen sollte: Der Auslöser der Bonusrunde und ihr Ergebnis werden leicht miteinander verwechselt. Eine ausgelöste Runde ist ein sichtbares, akustisch begleitetes Ereignis, unabhängig davon, was am Ende dabei herauskommt. Das ist gutes Handwerk auf Seiten der Studios und ein Grund, sich beim Spielen nicht vom Gefühl leiten zu lassen, es liefe gerade gut. Glücksspiel ist ab 18 und bleibt eine Freizeitausgabe, kein Fortschrittsbalken.

Wie wir Hold-and-Win-Titel im Katalog behandeln

Wir vermerken bei jedem solchen Titel drei Dinge: ob das Raster wächst, ob es Sammler- oder Verteilersymbole gibt und ob die oberen Preisstufen fest oder progressiv sind. Diese drei Angaben trennen die Fassungen zuverlässiger voneinander als jede Themenbeschreibung. Zwei Spiele, die in allen dreien übereinstimmen, spielen sich sehr ähnlich, egal ob im Vordergrund Drachen oder Traktoren stehen.

Dass ein Format so oft gebaut wird, ist für uns kein Grund, es geringzuschätzen. Es ist gut konstruiert, es funktioniert auf kleinen Bildschirmen, und es erklärt sich selbst. Es ist nur eben nicht sinnvoll, jeden neuen Vertreter als Neuheit zu feiern, wenn sich unter der Oberfläche wenig bewegt. Unsere Aufgabe ist es, die Fälle sichtbar zu machen, in denen tatsächlich etwas anders gebaut wurde, und beim Rest ehrlich zu schreiben, dass es eine weitere solide Fassung eines bekannten Gerüsts ist.